Es ist schon länger her, dass ich mich gemeldet habe. Die Hafentage mit dem Open Ship sind sehr anstengend sodass ich bisher nicht zum Schreiben gekommen bin.
Wir sind gerade im Lake Superior unterwegs und hier gibt es endlich mal wieder was wie Bordroutine. So nutze ich meine Freiwache um von dem bisher Erlebten zu berichten.
Das letzte Mal habe ich mich aus Montreal gemeldet. Dort kam ich nach der fünfstündigen Zugfahrt an und bin mit meinem Gepäck eine habe Stunde bis zum alten Hafen und unserer Pier gelaufen. Das Bild 1 zeigt diese ganz anschaulich. Es ist übrigens mal wieder ein HDR (High Dynamic Range) Bild.
Von Montreal aus ging es durch mehrere Schleuse Richtung Lake Ontrario. Vor jeder Schleuse musste die Roald vorbereitet werden. Es wurde Holzfender ausgebracht, da die Reifen- oder Ballonfender in den Schleuse nicht zugelassen sind. Ausserdem müssen die Rahen gedumpt und gebrasst werden, dass sich die Enden der Rahen, die sogenannten Nocken, innerhalb der Borddwandbegranzung befinden. Einen Eindruck davon bekommt man mit Bild 2, das in einer der ersten Schleusen geschossen wurde.
Auf Empfehlung des letzten Lotsen machten wir an einer Pier vor dem Lake Ontario fest. Da es keine Verbindung zum Land gab haben wir uns dabei auch nicht gedacht. Wir wollten am Abend grillen und am nächsten Morgen mit einem neuen Lotsen die Reise fortsetzten. Doch so einfach sollte es nicht sein. Die Border Control hatte uns entdeckt und damit fingen die Probleme an. Nachdem die ersten Papiere kontrolliert waren wurde das Schiff nach blinden Passagieren und danach mit einem Spürhund nach Drogen und verbotenen Stoffen durchsucht. Dabei kam ein Sack getrockneter Paprika zum Vorschein, der seit La Palma an Bord ist. Das brachte unseren Kapitän in Erklärungsnot, denn was macht der Sack im Schrank der Steuermannskammer. Schmuggler versuchen mit scharfen Gerüchen die Nase des Spürhunds zu irritieren. Die Wahrheit konnte das Missverständnis aber lösen.
Nach der Kontrolle wurden dann alle, in 5er-Gruppen, an Land (Cape Vincent) gebracht um die Einreiseformalitäten zu erledigen. Das war ja genau das, was wir verhindern wollten, denn die wenigsten hatten ein Visum für die USA. Erstaunlicherweise verlief die Einreise aber ohne weitere Probleme. Das Visum ersparte einem lediglich die grüne Karte auszufüllen. Abends als alle an Bord zurück waren haben wir dann auf der Pier gegrillt und den Sonnenuntergang (Bild03) bewundert.
Am nächsten Morgen kam dann der Lotse und wir konnten unseren Weg Richtung Toronto fortsetzten. Am Abend tauchte dann aber schon wieder die Coast Guard auf und die eine weitere Kontrolle folgte. Diesmal aber nur ein kurzer Gang durch das Schiff und die Abfrage der Personalien. Wir wissen bis heute nicht was die an uns so interessant fanden. Jedenfalls scheuen die USA keine Kosten und Mühen ihre Grenzen zu sichern. Deren Boot auf Bild 5 und 6 zeigen das deutlich.
Auf dem Weg nach Toronto haben wir einen Ankerstopp vor Niagara-on-the-Lakes gemacht, um es der Crew zu ermöglichen die Niagara-Fälle zu bewundern. Das in vier Stunden zu schaffen ist aber schon recht sportlich. Das Dinghi hat uns in den Yachthafen gebracht und von dort sind wir in 30 Minuten zu den Fällen gefahren. So hatte ich die Gelegenheit doch noch mit der Maid-of-the-Mist zu fahren und das hatte sich auch sehr gelohnt. Die Kamera hatte ich dort aber nicht ausgepackt.
Von Niagara-on-the-Lakes sind wir dann Richtung Toronto gefahren um vor der Skyline noch etwas zu segeln. So kamen wir noch zu einem sehr schönen Segeltag (Bild 7) und einer Segelnacht (Bild 8).
Abends sind wir dann in Toronto eingelaufen. Am nächsten Morgen hatten wir dann Besuch vom Frühstücksfernsehen. Leider sind die Beiträge wieder aus dem Netz verschwunden. Die Hafentage waren viel anstrengender als das was wir aus Halifax oder Montreal gewöhnt waren. An einem Abend hatten wir dann unser Decksrent (Bild 9). Zum Glück wurden wir dazu eingeladen, sonst hätten wir uns nicht an Deck aufhalten dürfen.
Sonntags nachmittags sind dann alle Großsegler in einer Parade (Bild 10 und 11) ausgelaufen. Die amerikanischen Schiffe, die alle mit Kanonen ausgestattet sind, grüßten während der ganzen Parade die Zuschauer an Land. Unter denen soll auch die Queen gewesen sein. Anschließend sind wir in Richtung Welland Kanal aufgebrochen, in dessen Nähe wir die Nacht vor Anker verbracht haben.
Früh morgens sind wir dann mit der Niagara im Schlepptau in die erste Schleuse eingefahren. Zwischen zwei Schleusen hatte uns ein Barde (Bild 12) ein Ständchen und eine gute Reise gewünscht. Auch hier mussten die Rahen wieder gedumpt und gebrasst werden und auch die Holzfender wurden wieder in Position gebracht. In Bild 13 ist das sehr anschaulich zu sehen. In der vorletzten Schleuse kam etwas Hektik auf, als wir Wasser auf Deck bekamen (bild 14). Es bestand aber zu keiner Zeit eine Gefahr für das Schiff oder die Crew. Wir hatten uns nur gefragt, was eine kleine Yacht davon gehalten hätte.
Im Lake Erie angekommen und mit fast allen gesetzten Segeln haben wir die Bounty (Bild 15 und 16) getroffen. Es ist sehr imposant dieses bekannte Filmschiff aus der Nähe zu sehen. Wir bewegten uns nur sehr langsam, da wir fast keinen Wind mehr hatten. Die Feuerübung, eine Vorbereitung auf die Kontrolle der Coast Guard in Cleveland, war gerade erfolgreich abgeschlossen worden als einer unserer Crew über Bord sprang. Damit begann die MoB-Übung (Man-over-Board). Die Schiffe waren aber so dicht zusammen, dass die Bounty den Überbordgefallenen aufgenommen hatte. Der Rückweg war dann aber um so länger, denn jetzt musste er gegen 1kt Fahrt schwimmen.
Später machten beide Schiffe noch einen Badestopp und eine Fotosafari. Diese Gelegenheit habe ich wahrgenommen um von dem Klüverbaum der Bounty zu springen. Die Flugzeit fühlte sich zwei Sekunden länger an als bei unserem. Deren Klüver ist ungefähr so hoch wie unsere Fockrah. In dem Klüverköpperclub der Bounty, wenn es denn einen gibt, waren bisher nur drei Leute, wie ich im Nachhinein erfuhr.
In Cleveland sind wir dann mit allen Schiffen in einer Parade eingelaufen. Hier habe ich dann die Niagara noch mal fotografieren (Bild 17) können. Nachdem wir die Kontrolle der Coast Guard und den zugehörigen Firedrill bestanden hatten, wollten wir den Abend mit Bier und Pizza ausklingen lassen und den Sonnenuntergang (Bild 18) genießen. Doch es bahnte sich schon eine weitere Kontrolle an.
An unserer Pier hielt ein Polizist der Cleveland-Police. Wir dachten der Polizist wollte kontrollieren, ob unter 21jährige Bier trinken, aber er wollte sich nur unterhalten und war am Schiff interessiert. So kamen wir ins Gespräch und er gab uns Tipps, wo man gut weggehen könnte. Er hat dann noch einen Kollegen als Verstärkung angefunkt. Die beiden haben uns dann mit ihren Autos zum empfohlenen Pub gebracht. Es ist schon sehr erstaunlich, was im Land der unbegrenzten Möglichkeiten machbar ist. Dass ich mit einer Bierdose in der Hand im Fond eines amerikanischen Polizeiautos sitzen würde hätte ich nie erwartet. Die Gesichter der Gäste, die uns beim aussteigen beobachteten werde ich so schnell nicht vergessen. Das kann man sich auch in Deutschland nicht vorstellen, auch wenn der Slogan dein Freund und Helfer im Englischen ähnlich heißt, nämlich to serve and protect. Um zwei Uhr schloss dann der Pub und die netten Polizisten holten uns dort auch wieder ab um uns zum Schiff zurückzubringen. Das nenne ich echte Gastfreundschaft. Davon gibt es leider keine Bilder.
Von Cleveland ging es dann weiter nach Bay City. Wir sind dort auch wieder mit einer Parade ausgelaufen und in Bay City mit einer Parade eingelaufen. Die Paraden haben immer den gleichen Ablauf und auch die Schiffsformationen gaben nicht mehr her, sodass ich keine schöneren Bilder mehr anbieten kann.
Bay City war der bisher anstrengenste Hafen mit ca. 4000 Gästen pro Tag. Als Highlight in Bay City wurde uns von der Crew der Bounty schon das Stein Haus empfohlen. Dort waren wir zum Essen eingeladen und unter anderem gab es dort fast echte Bratwurst mit Sauerkraut und Kassler. Abends waren ich dann noch mal dort um Münchner Hofbräu und Hacker-Pschorr Weißbier zu trinken. Endlich mal wieder ein kleines Stück zuhause.
Bay City haben wir Montag morgens verlassen um pünktlich an der Startlinie anzukommen. Von dem ersten Rennen hatte ich ganz vergessen zu schreiben. Vielleicht weil wir nur den zweiten Platz belegt hatten. Das Rennen ging bis kurz vor Sault St. Marie und da es zuwenig Wind gab, die Europa aber vor uns war und einen Termin einzuhalten hatte, haben wir das Rennen fair beendet und damit wohl wieder den zweiten Platz. In Sault St. Marie oder auch Soo haben wir nur eine Nacht verbracht und wurden in den Lake Superior geschleust.
Im Lake Superior kommt jetzt endlich mal segelfeeling auf. Die Roald fängt an zu schaukeln und die ersten werden Seekrank. Die Wellen halten aber nur kurz an. Die letzten Bilder zeigen einiger Impressionen vom Segeln auf dem Lake Superior.
Damit möchte ich erstmal abschließen und verspreche mich bald wieder zu melden, damit man nicht immer so viel zu lesen hat.
Viele Grüße aus dem Lake Superior,
Andreas
-
-
bild 01
-
-
bild 02
-
-
bild 03
-
-
bild 04
-
-
bild 05
-
-
bild 06
-
-
bild 07
-
-
bild 08
-
-
bild 09
-
-
bild 10
-
-
bild 11
-
-
bild 12
-
-
bild 13
-
-
bild 14
-
-
bild 15
-
-
bild 16
-
-
bild 17
-
-
bild 18
-
-
bild 19
-
-
bild 20
-
-
bild 21